Das Kirchenjahr

Der Karfreitag

Der Karfreitag (ahd. kara Klage, Kummer, Trauer) ist der Freitag vor Ostern. Er folgt auf den Gründonnerstag. Christen gedenken an diesem Tag des Leidens und Sterbens Jesu Christi am Kreuz. Der Karfreitag wird auch stiller Freitag oder hoher Freitag genannt. 
Er ist im Zusammenhang mit Ostern einer der höchsten Feiertage der Christenheit. Nach unserem  Glauben litt und starb Jesus Christus als „Gottesknecht“ und nahm im Kreuzestod freiwillig die Sünde und die Schuld aller Menschen vor Gott auf sich. Durch Tod und Auferstehung Jesu wird allen Menschen erst Sündenvergebung und damit Errettung aus dem Tod zum ewigen Leben zuteil. 

In der Zeit des Pietismus (17. Jh.) wurde der Karfreitag zu dem Feiertag, der in den evangelischen Landeskirchen als der wichtigste im Kirchenjahr wahrgenommen wurde – eine Wahrnehmung, die bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts anhielt. Somit wurde er zu einem dezidiert protestantischen Feiertag sowie zu einem identitätsstiftenden Merkmal aller Evangelischen. Die Rede vom „höchsten Feiertag in der evangelischen Kirche“ findet sich bis heute, obwohl seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ein kultureller Wandel stattgefunden hat.
Im Zentrum des Karfreitagsgottesdienstes steht vor allem die Betrachtung der Passionsgeschichte durch Predigt, Gebet und Lieder. Ein weiteres wichtiges Element der Vergegenwärtigung von Jesu Passion ist die Kirchenmusik vor allem in der Gestalt von Liedern wie O Haupt voll Blut und Wunden von Paul Gerhardt. Aus den Passionsliedern entwickelte sich später das Passionsoratorium. Johann Sebastian Bach ist wohl einer seiner berühmtesten Schöpfer (Matthäus- und Johannespassion).

Die liturgische Farbe des Karfreitags ist Schwarz, ersatzweise Violett. Blumenschmuck und Kerzen sind an diesem Tag eher unüblich. Am Karfreitag – wie auch am Karsamstag – schweigen in der Regel in Anlehnung an die katholische Tradition die Glocken, oder es läutet nur die jeweils größte Glocke. 
In vielen evangelischen Kirchen findet neben dem Hauptgottesdienst am Morgen oder stattdessen ein Gottesdienst zur Todesstunde Jesu um 15 Uhr statt. Auch im Brauchtum vieler evangelischer Familien spielt der Karfreitag eine besondere Rolle durch gemeinsamen Kirchgang und oft auch durch ein Fischessen im Kreis der Familie. 

Da der Karfreitag zu den sogenannten stillen Tagen gehört, gelten besondere Einschränkungen wie z. B. das Tanzverbot. Es verbietet verschiedene öffentliche Veranstaltungen, etwa sportliche Veran-staltungen, solche in Räumen mit Schankbetrieb und alle sonstigen öffentlichen Veranstaltungen zur Unterhaltung, „außer wenn sie der geistig-seelischen Erhebung oder einem höheren Interesse der Kunst, Wissenschaft oder Volksbildung dienen und auf den ernsten Charakter des Tages Rücksicht nehmen.“ Auch Kinos, Theater und Opern müssen in ihrem Spielplan den Karfreitag berücksichtigen.
Das Bundesverfassungsgericht entschied im Oktober 2016, dass die Anerkennung des Karfreitags als gesetzlicher Feiertag sowie seine Ausgestaltung als Tag mit einem besonderen Stilleschutz und die damit verbundenen grundrechtsbeschränkenden Wirkungen dem Grund nach durch die verfassungsrechtliche Regelung zum Sonn- und Feiertagsschutz in Art. 140 GG in Verbindung mit Art. 139 WRV gerechtfertigt sind, weil sie niemandem eine innere Haltung vorschreiben, sondern lediglich einen äußeren Ruherahmen schaffen.

Der Gründonnerstag

Der Gründonnerstag (auch Hoher Donnerstag, heiliger Donnerstag, weißer Donnerstag oder Palmdonnerstag) ist die Bezeichnung für den fünften Tag der Karwoche. An ihm gedenken die Christen des letzten Abendmahles Jesu mit den Jüngern am Vorabend seiner Kreuzigung (Matthäus 26,17-30 parr.). Als Gedächtnistag des letzten Abendmahls und der damit verbundenen Einsetzung durch Jesus selbst kommt dem Gründonnerstag damit ein hoher Stellenwert im Kirchenjahr zu. 

Der vor dem 15. Jahrhundert entstandene Name Gründonnerstag beschränkt sich im Prinzip auf das deutsche Sprachgebiet und ist auch dort nur die üblichste neben mehreren anderen Bezeichnungen. Die Kombination Grüner Donnerstag (mdh. grûne dunrestag oder grüene donerstac) ist jedoch bereits seit dem 13. Jahrhundert belegt. Die Herkunft des Namens ist nicht geklärt. Es konkurrieren im Wesentlichen vier Thesen, die sich nicht notwendigerweise gegenseitig ausschließen müssen, da auch - regional unterschiedlich - mehrere Faktoren bei der Entstehung des Namens zusammengewirkt haben können: 

  1. Herleitung von virides („die Grünen“), den Büßern, die „dürres Holz“ gewesen waren und jetzt am antlastag, dem Tag des Kirchenbußerlasses, wieder lebendiges, „grünes Holz“ (Lukas 23,31) der Kirche wurden und wahrscheinlich in weißem Kleid vielleicht mit grünem Schultertuch zum Abendmahl gingen.
  2. Herleitung aus der liturgischen Farbe grün. Die heutige liturgische Farbe für den Gründonnerstag ist zwar weiß, doch war die Farbwahl vor dem 16. Jahrhundert nicht verbindlich für alle geregelt. So ist aus dem Gebrauch der Farbe Weiß am Gründonnerstag auch die Bezeichnung „Weißer Donnerstag“ entstanden.
  3. Herleitung aus dem seit dem 14. Jahrhundert bezeugten, aber möglicherweise schon älteren Brauch, am Gründonnerstag besonders grünes Gemüse (Grünkohl, Salate, junge Triebe) und grüne Kräuter zu essen. Das steht nicht nur im Einklang mit den allgemeinen Fastenvorschriften für die Karwoche, sondern auch in Verbindung mit vorchristlichen Vorstellungen, dass dadurch die Kraft des Frühlings und eine Heilwirkung für das ganze Jahr aufgenommen werde. In einigen Regionen hatte der Gründonnerstag auch eine besondere Bedeutung für das Bestellen von Feld und Garten, als Tag der ersten Frühlingsaussaat oder als ein Tag, an dem man sich von der Aussaat oder vom Setzen oder Beschneiden der Pflanzen besonders reichen Ertrag versprach.
  4. Herleitung aus dem „Greinen“ (ahd. grīnan, mhd. grînen, „lachend, winselnd, weinend den Mund verziehen“) der Büßer am Gründonnerstag. Aus mündlich gebrauchtem, aber schriftlich nicht bezeugtem grîn donerstac wäre in dem Fall durch sprachliche Umdeutung der Grüne Donnerstag = Gründonnerstag entstanden. 
Bei uns in der Evangelischen Kirche wird der Gründonnerstag in der Regel mit einem Abendmahlsgottesdienst am Abend begangen. Dieser Gottesdienst wird in vielen Gemeinden besonders ausgestaltet. 

Die Passions- und Fastenzeit

In der Passionszeit erinnern wir Christinnen und Christen uns an die Leidenszeit und das Sterben von Jesus Christus. Das Wort Passion leitet sich vom lateinischen „pati“ ab und bedeutet "leiden" und "erdulden".
Die Passionszeit ist auch die Zeit der Vorbereitung auf Ostern. Sie beginnt mit dem Aschermittwoch, endet am Karsamstag und dauert 40 Tage. Es werden nur die Werktage ohne die Sonntage gezählt. Die Zahl 40 ist in der Bibel eine symbolische Zahl. So hat Jesus nach seiner Taufe im Jordan 40 Tage lang gebetet und gefastet, und nach den Schilderungen des Alten Testaments verbrachte das Volk Israels 40 Jahre in der Wüste.
Die Passionszeit wird auch Fastenzeit genannt. Diese Tradition ist schon seit dem 4. Jahrhundert bekannt. Die Gläubigen verzichteten auf Fleisch und Wein und aßen nur einmal am Abend. Das Fasten wird heute nicht mehr so streng gesehen wie früher. Trotzdem verzichten immer noch viele Menschen in den Wochen vor Ostern bewusst auf Alkohol, Zigaretten, den Gebrauch des Handys oder auf Fernsehen.
Seit einigen Jahren gibt es in der Ev.-luth. Kirche die Aktion „7 Wochen ohne“. Dieses „ohne“ kann jeder für sich selbst entscheiden. Der Verzicht und das Fasten sollen auf einen bewussten Umgang mit Gottes Gaben und seiner Schöpfung hinweisen. Jeder kennt die Erfahrung, dass man den Wert mancher Dinge erst richtig schätzen kann, wenn man sie eine Zeit lang nicht hat!
Zugleich ist die Fastenzeit eine Zeit der persönlichen Besinnung und lädt uns zum Nachdenken darüber ein, wie wir unser Leben verantwortungsvoll gestalten können, was wir verändern, oder worauf wir in Zukunft mehr achten wollen.
Die kirchliche Farbe der Passionszeit ist Violett. Sie ist eine königliche Farbe und soll die Vorbereitung auf einen König bedeuten. Symbolisch ist sie auch die Farbe der Buße, der Besinnung und des Gebets. Außerdem erinnert sie an den Purpurmantel, den Jesus vor seiner Kreuzigung zum Spott umgehängt bekam.

6. Januar: Epiphanias - Das Fest der Erscheinung Jesu

Am 6. Januar feiern Christen das Epiphaniasfest. Der Name ist griechisch und bedeutet "Erscheinung".
In der frühen Kirche wurde an diesem Tag die Geburt Jesu gefeiert. In den orthodoxen Ostkirchen ist das heute noch so. Schließlich wurde es zu einem Fest mit drei Anlässen:

  • Die Geburt Jesu, bei der die Engel ihn den Hirten von Bethlehem als Erlöser der Welt offenbaren (Lukas 2,10-11);
  • Jesu Taufe, bei der eine Stimme vom Himmel ihn als Gottes Sohn bezeichnet (Matthäus 3,13-17); und
  • Jesu erstes Wunder, durch das er von den Menschen als Gottessohn und Erlöser erkannt wurde. Dieses Wunder geschah übrigens anlässlich einer Hochzeit und diente dazu, dass der Festgesellschaft der Wein und die gute Laune nicht ausging: Jesus verwandelte Wasser in Wein (Johannes 2,1-12).

Später wurde an Epiphanias auch an die Anbetung Jesu durch die Sterndeuter aus dem Morgenland erinnert (Matthäus 2,1-12). Da diese im Volksglauben für drei Könige gehalten wurden, wird dieser Tag deshalb bis heute auch "Heilige Drei Könige" genannt.
Die unterschiedlichen Bedeutungen dieses Tages sind im Laufe der Zeit auf die Sonntage nach Epiphanias verteilt worden. Ein Motiv aber durchzieht die ganze Epiphaniaszeit, die am 6. Januar beginnt: Das Licht als Symbol für den „erscheinenden“ Christus. Im Grunde geht es am Epiphaniastag um die Erscheinung Gottes in der Welt bzw. um seine Menschwerdung in seinem Sohn Jesus Christus.

Aschermittwoch. Bedeutung und Ursprung

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Passionszeit. In dieser Zeit bereiten sich Christinnen und Christen auf das Osterfest vor. Sie besinnen sich auf die Forderung Jesu: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1,15). Umkehr lässt sich als innere Reinigung verstehen. Christinnen und Christen wenden den Blick nach innen, auf sich selbst, und suchen sich neu auf sich selbst und auf ihren Glauben zu besinnen. Was brauche ich? Was sollte ich abstellen, weil es mir nicht guttut? Wie kann ich Gott in meinem Alltag mehr Raum geben?
Der Name des Tages „Aschermittwoch“ geht auf den Ascheritus zurück, der sich in der katholischen Liturgie bis heute erhalten hat. Die Gläubigen lassen sich ein Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen. Durch dieses Zeichen der Demut bekennen sie, dass auch sie umkehren müssen. 

Wann ist Aschermittwoch?
Die Passionszeit dauert 46 Tage. Sie beginnt mit Aschermittwoch und endet mit Karsamstag. In welcher Kalenderwoche der Aschermittwoch liegt, hängt also vom Osterdatum und damit vom Zeitpunkt des ersten Frühlingsvollmonds ab. Daher fällt er immer in die Zeit zwischen Anfang Februar und Anfang März.

Bräuche an Aschermittwoch
Das Evangelische Gottesdienstbuch schlägt vor, den Aschermittwoch mit einem Bußgottesdienst oder der Feier der Gemeindebeichte zu begehen. Die Passionszeit wird in der evangelischen wie auch in der katholischen Kirche als Fastenzeit verstanden. Fasten ist der freiwillige Verzicht auf bestimmte Speisen, das heißt für gewöhnlich Fleisch und Alkohol, aber auch auf andere Genussmittel. Mit solchem Verzicht geben Christinnen und Christen ihrer Bereitschaft Ausdruck, weltlichen Genüssen zu entsagen und Buße zu tun für das ausgelassene Treiben der Karnevalszeit. 
Nach jahrhundertealter Tradition ist der Verzehr von Fisch in der Fastenzeit erlaubt. Fisch ist die klassische Fastenspeise. Aus der Zeit des Mittelalters hat sich daher vielerorts der Brauch erhalten, am Aschermittwoch Hering zu essen. Deshalb veranstalten viele Kirchengemeinden am Aschermittwoch ein traditionelles Heringsessen.
Seit mehr als 30 Jahren veranstaltet die evangelische Kirche die Aktion „7 Wochen ohne“. Unter einem jährlich wechselnden Motto lädt sie dazu ein, Alltagsroutinen zu durchbrechen und neue Freiräume zu gewinnen (siehe 7wochenohne.evangelisch.de).